Geschichte

„Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.“ (August Bebel)

Zeitzeugen der dritten Generation: Freyunger Gymnasiasten interviewen den Enkel eines Opfers des NS-Regimes

 

Am 11. Dezember 2025 durfte die 11. Jahrgangsstufe am Gymnasium Freyung einen Zeitzeugen der dritten Generation begrüßen. Herr Hans Schätzl, dessen Großvater 1941 im Bezirksklinikum Mainkofen zwangssterilisiert worden war, beantwortete bereitwillig die zahlreichen Fragen der Schülerinnen und Schüler. Das Gespräch, das für ein Zeitzeugenvideo aufgezeichnet wurde, ist Teil eines Projekts im Geschichtsunterricht.

 

Im Rahmen des Projekts konnten die Schüler über mehrere Unterrichtsstunden hinweg die Krankenakte von Johann Schätzl auswerten. Diese Akte hatte dessen Enkel, Hans Schätzl, selbst erst Anfang des Jahres 2024 nach umfangreichen Recherchen zum Leben seines Großvaters vom Bezirksklinikum Mainkofen erhalten. Die Zusammenarbeit mit Herrn Schätzl sowie dem Bezirksklinikum ist für die Schülerinnen und Schüler besonders bereichernd, da die räumliche Nähe und der direkte Zugang zu einem realen historischen Dokument — einer Krankenakte aus der NS-Zeit — das Geschehen eindrücklich veranschaulichen und emotional greifbar machen.

 

Die Ergebnisse des Projekts, an dessen Fertigstellung die Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe derzeit gemeinsam mit ihren Lehrkräften Miriam Haidl  und Carina Rendchen arbeiten, werden am Bezirksklinikum Mainkofen im Januar 2026 im Rahmen der Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Euthanasie präsentiert.

Oben: Hans Schätzl, ein Zeitzeuge der dritten Generation Unten (v.l.) Hannes Wachtfeitl (11a), Zeitzeuge Hans Schätzl, Benedikt Maier (11a), Eva Kloiber (11 b), Janina Kast (11 b)

P-Seminar: Zeitreise in die bayerische Vergangenheit - Vom Gymnasium ins Freilichtmuseum

Eine Woche lang lebten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit den Lehrkräften Ulrike Philipp-Rauscher (Seminarleiterin) und Kunstlehrer Franz Häuslmeier auf dem Gelände des Freilichtmuseums Finsterau, um das Leben in früheren Zeiten nachzuempfinden. Es wurde Sauerteig hergestellt, Brot im Holzofen gebacken, Fichtenrinde als Baustoff entdeckt und vieles mehr...

Eine Woche leben wie anno dazumal, eine Woche voller Erwartungen und Skepsis,

Skepsis vor der Aussicht unser komfortables und digitales Zeitalter für eine Welt

einzutauschen, die noch nicht von Konsum beeinflusst war und von der Genügsamkeit

und Wertschätzung gegenüber lebenswichtigen Produkten geprägt war. Doch haben wir,

als 17-jährige Jugendliche diese Zeitreise aus der Moderne in die Vergangenheit ohne

bleibende Schäden überstanden?

 

Wie alles begann…

Die Vorstellung für eine Woche auf dem harten Boden zu schlafen, würde vermutlich

jeden abschrecken. So waren auch wir wenig erfreut, als wir bei unserer Ankunft

feststellten, dass es keine Betten gibt und wir uns nun für die nächsten Tage mit

Rückenschmerzen herumplagen dürfen. Es war allerdings nicht lange Zeit zum

Jammern, da die ersten Arbeitsaufträge bereits auf uns warteten. So ging es zum

Marmeladen machen und „Loadhütte“ reparieren. Während im Garten fleißig nach

duftenden Rosen und wohltuenden Kräutern gesucht wurde, wurde an der Hütte tüchtig

gehandwerkelt. Das Kochteam (ja, wir haben uns selbst versorgt!) beglückte uns mit

Grießknödelsuppe und mit typisch bayerischen „Greicherten“.  Da wurde nach der

harten Arbeit ordentlich zugelangt. Danach ging’s gleich wieder an die Arbeit, um das

Selbstversorgerglück zu vollenden, mit einem selbst gebackenen Sauerteigbrot. Der

Herstellungsprozess diente zur Stressbewältigung, Zitat von Frau Philipp-

Rauscher:“Stoids eng an Lehrer vor!“ . Dies führte nochmal zu einem ordentliche

Motivationsschub beim Teigboxen. Nach vollendeter Agressionsbewältigung kamen die

Brote in den Holzofen, samt einiger belegter Sengzelten, die zum Abendessen verspeist

wurden. Als Abschlussritual für die weitere Woche, bürgerten sich an diesem Abend

altbayerische Kartenspiele und Müslirunden um 12 Uhr nachts ein. Gemütliches

Beisammensein (fast) wie in alten Zeiten.

 

Tierisch, tierisch…

Der Morgen begann mit landwirtschaftlichen Tätigkeiten, wie Kühe umweiden, einem 2.

Erbeerfrühstück, Versorgung der Hasen und Verwöhnen der Esel. Zwischen Eseldame

Julie und Angelina war es Liebe auf den ersten Blick. Die Jungs kämpften sich

stattdessen seit den frühen Morgenstunden durch die Tiefen des bayerischen Waldes

und halfen Forstarbeitern dabei, Bäume zu fällen und die Rinde zu entfernen, um neues

Material für ihre „Loadhütte“ zu bekommen. Als Dank wurden die feschen (Zitat Frau

Philipp-Rauscher) Arbeiter noch zu Brotzeit und Strudel eingeladen, der vom Kochteam

mit der Hilfe von Anette aus dem Kulturverein liebevoll zubereitet wurde. Unter

sengender Hitze stand nachmittags dann der Kurs „Vom Flachs zum Leinen“ und das

Weiterbauen an der Hütte an. Vom am Spinnrad spinnen, bis Wolle kämen probierten

wir alles und verstanden den wahren Aufwand hinter der Herstellung von Kleidung. Wie

es noch öfter in dieser Woche passieren sollte, lernten wir hier die Wertschätzung füruns alltägliche Dinge. Wegen den hohen Temperaturen durchlebten wir ein kleines

Nachmittagstief und beschlossen uns im hauseigenen Grand des Kappelhofes

abzukühlen, während die Jungs den Abend am Reschbach ausklingen ließen. Als

leckeres Abendessen gab es Pizza aus Sengzeltenteig, wobei die Hälfte des Teiges

eigentlich auf den Gesichtern der Köchinnen verteilt war. Trotz der guten Qualität des

Abendessens stellte sich bei den Herren des Teams ein leichtes Magengrummeln ein,

was dazu führte, dass uns einer der Jungs verlassen musste. Das Bad war besetzt…

Who’ll stop the rain?

Am vorletzten Tag mussten wir kurzzeitig in unsere digitale Welt zurückkehren, um

unsere Diashow mit den besten Momenten der Woche vorzubereiten und um ein

Rettungsversuch für einen Hasen im Freilichtmuseum zu starten, der auf Grund von

familiären Hasenproblemen ein neues Zuhause sucht (sonst wird er Adlerfutter im

Nationalpark), bitte melden sie sich bei Interesse beim Freilichtmuseum. Nachmittags

gab es eine Besprechung zur aktuellen Lage, bei der noch einige Feinheiten für den

„Waidlernacht“ geklärt wurden. Zum Mittagessen bekamen wir von unserem Kochteam

und dem lieben Hans, dem ehemaligen Vorsitzenden des Kulturvereins, ein

phänomenale Schwammerlsuppe mit Semmelknödel serviert. Mit guter Stimmung und

voller Vorfreude auf den letzten Tag, endete auch dieser mit kühlen Getränken im Grand.

Am nächsten Tag erwartete uns ein böses Erwachen, es schüttete wie aus Eimern, kein

Ende in Sicht. Etwas enttäuscht, stellten wir uns der Herausforderung der

Aufbauarbeiten und der restlichen Vorbereitung. Glücklicherweise verzogen sich die

Wolken bis zum Abend und alles lief sowohl wetter- als auch planungstechnisch gut.

Von Krapfen bis zu frischem Brot mit verschiedenen Aufstrichen (selbstverständlich

alles selbstgemacht) war alles geboten, auch wenn sich der ein oder andere deswegen

eine Brandblase zugezogen hat. Es wurde außerdem frisch gezapft und es waren eine

Diashow, ein bayerischer Geschichtenerzähler, ein Schindelmacher, eine Fotografin mit

altertümlichen Kostümen und eine Schnitzeljagd samt Stockbrot geboten. Kurz, die

„Waidlernacht“ war ein voller Erfolg, bei der wir den Leuten einen Teil von dem

vermitteln konnten, was wir im Freilichtmuseum erlebt und gelernt haben.

 

Alles endet einmal…

Zum Schluss noch einmal die Frage des Anfangs. Haben wir diese Reise in die

Vergangenheit schadenlos überstanden? Oder, noch viel wichtiger, haben wir etwas

daraus mitgenommen? Nun, dass die beiden Autorinnen während des Schreibens

dieses Artikels am eingeheizten Holzofen gesessen haben und selbst gemachten

Strudel gegessen haben, dürfte Ihnen die Antwort vielleicht schon liefern. Um es aber

noch einmal klar auszudrücken, ja, wir haben etwas mitgenommen, Vieles sogar.

Beispielsweise die Erkenntnis, dass nicht alles selbstverständlich ist, dass eine

Handypause äußerst angenehm sein kann, und das Gefühl, sich etwas wirklich verdientzu haben, weil man es mit seinen eigenen Händen hergestellt hat. Mit diesen Eindrücken

kehren wir zurück in unser alltägliches Leben, erschöpft, doch auch zufrieden.

So kommt man zum Werkstoff Fichtenrinde - unsere Schüler im Wald zusammen mit Forst-Profis

Gymnasiasten besuchen Gedenkstätte Mainkofen

Jochen Rössler erläutert den Schülern die Gedenkstätte

9. Klassen des Freyunger Gymnasiums besuchten KZ-Gedenkstätte Mauthhausen

Die Schüler der 9. Jahrgangsstufe am Gymnasium Freyung haben in Begleitung der Lehrkräfte Michael Resch und Michael Fritz die KZ-Gedenkstätte Mauthausen besucht. Die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Geschichte direkt vor Ort ist ein wichtiges Anliegen des Faches Geschichte und somit fest im Lehrplan verankert.

Durch die Fahrt in die KZ-Gedenkstätte in der Nähe von Linz wird den Schülern ein noch tieferer Einblick in die menschenverachtende Situation der Zeit des Dritten Reiches ermöglicht, als es im Geschichtsunterricht im Klassenzimmer möglich ist.

Die Schüler wurden von ausgebildeten Guides durch die Gedenkstätte geführt. Bereits vor dem Rundgang besichtigten die Schüler den Steinbruch und die sogenannte „Todesstiege“, wo KZ-Häftlinge unter schrecklichen Bedingungen zur schweren Arbeit gezwungen wurden und viele unter Misshandlungen und Schikanen der Aufseher ums Leben kamen. An dem Leid der Menschen hat die SS noch Geld verdient.

Der Rundgang selber führte die Schüler zunächst um das eigentliche KZ-Lager herum. Wo sich früher die Baracken der SS Wachmannschaften befanden, haben zahlreiche Länder Denkmäler zum Gedenken an die im KZ getöteten Häftlinge errichtet. Schließlich wurden die Jugendlichen auch in das eigentliche Gefangenenlager geführt, wo ihnen durch die Guides das Schicksal der KZ-Häftlinge und die Grausamkeit des NS-Regimes aufgezeigt wurde.

 

Michael Köberl (2022)

Das Fach Geschichte an unserer Schule

Der neue Lehrplan für die Gymnasien in Bayern legt in der 11. Klasse in Geschichte einen Schwerpunkt auf Gedenkkultur. Nach theoretischer Vorbereitung im Unterricht besuchten die Klassen 11a und 11b des Freyunger Gymnasiums nun ein besonders beeindruckendes praktisches Beispiel, die Gedenkstätte Mainkofen.

Mainkofen galt bei seiner Gründung 1911 und gilt auch heute als vorbildliche Einrichtung, die ihre Patienten auf dem Stand der jeweiligen Zeit hervorragend behandelt.

Dies war zwischendurch aber auch völlig anders. In den Jahren 1933-1945 war Mainkofen an den „rassepolitisch“ begründeten Verbrechen an psychisch Kranken und Erbkranken erheblich beteiligt. Im Jahre 2014 entstand daher auf dem Friedhof von Mainkofen eine eindrucksvolle Gedenkstätte für die Opfer dieser Zeiten an diesem Ort.

Vor der Besichtigung der Gedenkstätte führte Jochen Rössler, der zuständige Mitarbeiter für die Gedenkstätte, in einem ebenso informativen wie erschütternden Vortrag in die Opfergruppen von Mainkofen ein. So wurden anfangs etwa 500 Menschen im eigenen Operationssaal oder in umliegenden Krankenhäusern zwangssterilisiert.

Mit Kriegsbeginn wurde die „Aktion T4“ („Euthanasie“) begonnen, bei der in speziellen Tötungseinrichtungen Menschen vergast wurden, die man wegen ihrer Erkrankung als „lebensunwert“ einstufte. In mehreren Transporten wurden auch über 600 Patienten aus Mainkofen in solche Mordanstalten gebracht.

Als „T4“ wegen Protesten, v.a. vom Bischof von Münster, Graf von Galen“, beendet wurde, war das aber nicht die Rettung für psychisch Erkrankte. Man verabreichte ihnen nun nur noch „Hungerkost“, bekleidete sie nur unzureichend und behandelte körperliche Erkrankungen praktisch nicht mehr, so dass allein in Mainkofen mehr als 700 Menschen „von selbst“ an Entkräftung starben.

Für die Elftklässler war dieser Tag eine schulische Exkursion ungewöhnlicher Art, aber sicherlich beeindruckend. In einem Projekt soll die Thematik nun im Unterricht weiter behandelt werden.

Auch die Lehrer bilden sich in Geschichte

In diesem Sinne hat der Geschichtsunterricht die zukunftsträchtige Aufgabe, die Grundlagen für die Kenntnis der Vergangenheit zu legen.

Dabei bietet der Unterricht vor der Oberstufe einerseits einen chronologischen Durchgang von der Vor- und Frühgeschichte über Ägypter, Griechen, Römer, das Mittelalter, die Frühe Neuzeit bis hin zu Kaiserreich, Erstem Weltkrieg, Weimar, Nationalsozialismus, Zweitem Weltkrieg, Deutscher Teilung und Wiedervereinigung. Andererseits vertieft er an bestimmten zentralen Stellen unter relevanten Fragestellungen vergleichend wichtige historische Ereignisse und Entwicklungen.

In der Oberstufe wird hauptsächlich thematisch gearbeitet, wobei die Inhalte von regional bis global und von der Antike bis in die Gegenwart gestreut sind, jeweils unter einer vergleichenden Fragestellung.

Wir bemühen uns, unseren jungen Menschen Geschichtsinteresse und ein modernes Geschichtsbewusstsein durch einen entsprechenden Unterricht und durch Besuche an Originalschauplätzen der Geschichte und durch Geschichtsprojekte näher zu bringen.

 

Dazu gehören folgende Veranstaltungen:

  • Besuch eines Archäologen an der Schule (anschauliche Erklärungen; Basteleien)
  • Besuch einer KZ-Gedenkstätte (Mauthausen)
  • 9./10. Klassen: Projekt „Schule ohne Grenzen“:

eine Klasse über zwei Schuljahre an fünf Terminen (je ein Tag: Begegnung an der Grenze zwischen Haidmühle und Bischofsreut; je ein Tag an der Partnerschule; historisches Krumau, Barockstadt Passau), gefördert von EUREGIO

über LRA, mit Gymnasium Prachatitz (CZ), bei uns mit historischem Schwerpunkt

  • EU-Projekttag (Mai) als fächerübergreifendes Projekt G/Sk „Bayerns Rolle in Europa“ mit Besuch eines Abgeordneten aus LT, BT oder EP (Besuch etwa zwei Schulstunden)
  • Geschichtlicher Teil bei der Weimarfahrt (von Deutsch organisiert): KZ-Gedenkstätte Buchenwald

außerdem in Projektform bei Anlass bzw. Gelegenheit:

Gruppe/Aktionen „Schule ohne Rassissmus“ (Frau Philipp-Rauscher)

Projekte zur Grenze mit tschechischen Schulen in unregelmäßigen Abständen in Zusammenarbeit mit Uni Passau (Herr Man, Didaktik der Geschichte) und Budweis, teils mit 1-2 Übernachtungen, höhere Klassen (10/11)

Bei archäologischen Basteleien im Schulhof

Die Fachschaft

Lena Danzer

Michael Fritz

Miriam Haidl

Leonhard Heimlich

Markus Michel

Ulrike Philipp-Rauscher

Carina Rendchen

Christian Weishäupl

Freinger Zwitscher-Blatt

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Kontakt

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