„Begegnung mit dem jüdischen Glauben“ – diese Überschrift trägt einer der großen Themenblocks im Religionsbuch der 9. Jahrgangsstufe. Und angesichts der aktuell schwierigen weltpolitischen Lage und des zunehmenden Hasses in der Gesellschaft ist es wohl besonders wichtig, das Wort „Begegnung“ wörtlich zu nehmen. So ist es durchaus üblich, dass die neunte Jahrgangsstufe im Laufe des Schuljahres eine nahgelegene Synagoge besucht und sich dort informiert. So stand für die 64 Schülerinnen und Schüler – begleitet von den Religionslehrerinnen Frau Sammer und Frau Stangl – am 11. März eine Fahrt nach Straubing in die einzige Synagoge Niederbayerns an. Gegen 10 Uhr erreichte die Gruppe die Synagoge und wurde nach einem Gruppenfoto vor dem Gebäude freundlich begrüßt. Im prächtigen Innenraum erzählte eine Mitarbeiterin vieles über die Synagoge selbst, ihre Geschichte, den jüdischen Glauben, seine Traditionen und Feste sowie die Tora – die heilige Schrift im Judentum. Diese konnten die Schüler sogar mit eigenen Augen sehen und sie stellten viele interessierte Fragen, etwa zur Anschaffung und den Kosten. Nach dem Ende der Führung durften sich die Neuntklässler noch in Kleingruppen in der Straubinger Innenstadt bewegen, bevor es mit viel neu erworbenem Wissen schließlich zurück nach Freyung ging.
Antonia Weishäupl (Klasse 9c)
Foto (Schule): Die Freyunger Gymnasiasten vor dem Portal der Straubinger Synagoge
Am 12. Februar 2026 besuchte uns der Kriminologe Benjamin Schlegl am Gymnasium Freyung, um von seiner Arbeitsstätte, der JVA Straubing, zu erzählen. Zunächst zeigte er uns interessante Fakten über verschiedenste Bereiche des Strafvollzugs. So gibt es in Deutschland weniger als 1 von 1.000 Menschen, die im Gefängnis sitzen. Von diesen Menschen befinden sich rund 9.000 in Bayern. Interessanterweise haben die USA durchschnittlich mehr Gefangene. Dies liegt jedoch nicht an einer höheren Kriminalität, sondern an der teilweisen Privatisierung der Gefängnisse. Dadurch fällt die Einsperrquote höher aus. In Bayern liegen über 36 Justizvollzugsanstalten, von denen 22 selbstständige und 14 angegliederte Anstalten sind. Die JVA in Straubing ist eine selbstständige Anstalt und in Passau befindet sich die dazugehörige angegliederte Anstalt.
Der spannendste Fakt den Herr Schlegl anzubieten hatte war der, dass Kriminalität tatsächlich “Männersache” ist. So sind Männer vor allem in Gewalt- und Sexualdelikten mit knapp 75 % der Tatverdächtigen, deutlich überrepräsentiert. Ein Thema, das auch politisch für Aufruhr sorgt, ist die Quote der Ausländer. So erzählte Herr Schlegl, dass der Anteil der Ausländer letztes Jahr fast 50% betrug, was der statistische Anstieg der letzten Jahre zeigte. Dieser Faktor jedoch ändert sich durch weltliche Entwicklungen und gesellschaftliche Faktoren stetig.
Danach wurde uns die Verteilung der Straftaten gezeigt. Die meisten Gefangenen sitzen wegen Diebstahl - ungefähr jeder Fünfte. Andere häufige Delikte sind Körperverletzung, Drogendelikte und Steuerhinterziehung. Ein kleiner Anteil der Gefangenen kommt wegen Ersatzfreiheitsstrafen ins Gefängnis. Das bedeutet, dass sie eine Freiheitsstrafe absetzen müssen, da sie die Geldstrafe nicht bezahlen können. Ein simples Beispiel ist das Schwarzfahren.
Dann ging Herr Schlegl näher auf die JVA in Straubing ein. So erzählte er von den Sicherheitsmaßnahmen, denn aus dem Gefängnis auszubrechen ist nicht einfach. Torwachen und Kontrollen sind an der Tagesordnung. Zur Tagesordnung gehören, aber auch das Arbeiten. Die Sträflinge arbeiten meist für einen geringen Lohn, etwa 4 Euro. Die meisten Gefangenen arbeiten und können viele Berufe erlernen, zum Beispiel ein Handwerk wie das des Schreiners oder Bäckers. Mit dem Geld, das sie verdienen, dürfen sie sich in Kooperation eines nahen Einkaufladens, Güter in das Gefängnis bestellen. Die häufigsten Waren sind Tabak und Süßes. Interessant ist auch, dass Lebensmittel, die für uns alltäglich sind, für sie verboten sind. Orangensaft ist zum Beispiel nicht erlaubt, weil sie diesen gären könnten und dadurch Alkohol entsteht. Freizeit und vor allem Sport sind ebenfalls möglich. So gibt es viele Sportangebote, wie Fußball.
Eine Jugendvollzugsanstalt hat außer den Räumen der Gefangenen auch Arbeitsräume, eine Kirche, eine psychiatrische Abteilung, Sportplätze und in Straubing gibt es sogar einen Bereich für den offenen Vollzug. Dort landen die Menschen, die wegen ihrer Bedrohung gegenüber der Gesellschaft in Sicherheitsverwahrung kommen. Das bedeutet, dass sie für den Rest ihres Lebens eingesperrt werden. In Bayern betrifft diese Sicherheitsverwahrung rund 55 Personen. Der offene Vollzug ist mehr ausgebaut als ein normales Gefängnis. Die Menschen dort besitzen mehr Freiraum und können kochen und Fernsehen und haben zudem ein größeres Zimmer. Im Allgemeinen besitzt ein Gefangener in seinem Zimmer ein Bett, einen Schreibtisch, einen Schrank und einen Fernseher. Ein Handy oder andere Gegenstände, wie Waffen, Alkohol etc. dürfen sie nicht besitzen. Trotzdem sind manche sehr kreativ. Herr Schlegl brachte uns dafür Gegenstände mit, welche Gefangene tatsächlich gebastelt hatten, beziehungsweise versteckt haben. So zeigte er uns eine Bong, welche aus einer Colaflasche gebastelt wurde aber auch ein Messer, welches ursprünglich eine Gabel war, die gefeilt wurde. Bei den monatlichen Untersuchungen wurden auch schon selbstgemachte Tätowiermaschinen, Mini-Handys und Drogen gefunden. Eine verblüffende Art mit den Drogen reingeschmuggelt werden, ist durch Drohnen. Dieses Problem bekämpft die JVA Straubing jedoch schon aktiv durch ein System das fliegende Drohnen erkennen und ausschalten soll.
In Straubing sind vor allem Gefangene mit “lebenslang”. Dies bedeutet nicht gleich, dass sie ihr Leben lang in Haft bleiben. In Deutschland kann man nach einer bestimmten Zeit einen Antrag auf Freilassung stellen. Trotzdem sitzt man mindestens 15 Jahre.
Ein paar spannende Fakten die Herr Schlegl angeführt hat würde ich gerne noch hinzufügen. So erzählte er, dass die Rückfallquote bei Mord unter einem Prozent liegt und Mord meist in einem engen sozialen Umfeld stattfindet. Zudem kann man für Drogendelikte fast genauso lange in Haft gehalten werden, wie für Mord. Für einen Kilogramm Heroin kann man 11 bis 13 Jahre Haft bekommen.
Herr Schlegl hat nicht nur einen spannenden, sondern auch einen verblüffenden Vortrag gehalten. Es waren viele neue Informationen dabei, die mir eine andere Sichtweise auf das Thema gegeben haben. Der Vortrag hat mich sehr in das Thema Kriminologie und Strafvollzug gezogen, vor allem da ich selbst Psychologie studieren möchte. Der Vortrag hat zudem gezeigt, dass Gefangene auch nur Menschen sind und Fakten oft falsch oder anders dargestellt werden, als sie sind. Mich und meinen Mitschülern hat der Vortrag positiv überrascht.
Femke Attenbrunner (2026)
Schülerbericht von Hannes Wachtfeitl (11a):
Heute hatten wir mit dem Ethikkurs von Herrn Peter sowie dem Religionskurs von Frau Peterlik die Möglichkeit, die Palliativstation am Krankenhaus Freyung zu besuchen. Die ärztliche Leitung der Station hat Frau Dr. med. Berger. Auf der Station gibt es insgesamt acht Betten. Schon beim Betreten merkt man, dass diese Station anders ist als andere Krankenhausbereiche. Im Gang befinden sich mehrere Sitzmöglichkeiten, es gibt Bücher und CDs zum Ausleihen, alles wirkt ruhiger und persönlicher.
Die Zimmer sind unterschiedlich groß, vom Aufbau her aber ähnlich. Vor jeder Zimmertür, in der ein Patient gestorben ist, brennt eine Kerze, die nach dem Tod eines Patienten 24 Stunden stehen bleibt. In dieser Zeit wird das Zimmer nicht neu belegt. Es gibt außerdem ein Gedenkbuch mit Sterbekarten und Erinnerungen an die Verstorbenen. Das hat mich sehr berührt, weil man spürt, dass hier jeder Mensch als Person gesehen wird und nicht nur als Patient.
Besonders beeindruckend fand ich die Rituale: das Klangei und das sogenannte „Seelenausgang“-Musikstück. Es gibt auch einen Raum der Stille. Die Station hat außerdem eine große Fensterfront und wirkt sehr offen und friedlich. Es gibt außerdem ein Wohnzimmer zum Aufenthalt. Angehörige bekommen Essen und Trinken kostenlos. Die Station orientiert sich stark an den Bedürfnissen der Patienten und ihrer Familien. So ist es möglich, dass Angehörige das Lieblingsessen mitbringen, und auch das Rauchen wird den Patienten in dieser letzten Lebensphase nicht verwehrt.
Aufgenommen werden Menschen mit einer unheilbaren Krankheit und begrenzter Lebenserwartung. Es gibt eine Warteliste, aber meist können Patienten schnell aufgenommen werden, je nach Dringlichkeit. Bei der Aufnahme wird ein Hauptansprechpartner festgelegt, der informiert wird, wenn der Patient verstirbt. Die Mitarbeiter arbeiten im Drei-Schicht-System, meistens zu zweit. Die Ärzte sind aber auch zuhause telefonisch erreichbar. Morgens frühstücken die Mitarbeiter gemeinsam, was den starken Zusammenhalt zeigt.
Man merkt, dass man hier nicht nur mit einzelnen Patienten zu tun hat, sondern mit ganzen Familien. Wie Frau Dr. Berger erklärte, werden in letzter Zeit vermehrt auch jüngere Menschen aufgenommen, auch wenn der Großteil der Patienten weiterhin älter ist. Manche Patienten können noch eigenständig aufstehen und sich bewegen, andere sind dabei bereits auf Hilfe angewiesen. Alle Symptome werden behandelt, niemand muss mit Atemnot kämpfen oder leiden.
Die Ärztin machte uns deutlich, dass man häufig erkennt, wenn ein Mensch sich dem Lebensende nähert. In der Palliativstation geht es vor allem um Begleitung, Würde und Menschlichkeit. Der Besuch war für mich sehr eindrucksvoll und emotional. Es war interessant, aber auch traurig und bewegend zugleich. Man spürt dort viel Ruhe, Respekt und Mitgefühl. Ich habe gemerkt, wie wichtig diese Arbeit ist und wie viel Herz die Menschen dort jeden Tag investieren. (2026)
Drei Tage Lernen für das Leben
Auch in diesem Schuljahr konnte das Kirchliche Jugendbüro Freyung diese Veranstaltung im Rahmen des Religions- und Ethikunterrichtes der Oberstufe wieder möglich machen. 53 Schülerinnen und Schüler verbrachten drei gemeinsame Tage im Salvador-Allende-Haus in Finsterau. Motiviert und konzentriert wurden die einzelnen Themenbereiche bearbeitet. Unter der Leitung von Johannes Geier und Elias Wandl ging es um Klassengemeinschaft, Ich-Identität und um Liebe-Freundschaft-Partnerschaft im Sinne einer christlichen Wertevermittlung. Beim Thema Klassengemeinschaft wurden Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, aber auch Kommunikations- sowie Konfliktfähigkeit eingeübt und reflektiert. Beim Thema Ich-Identität konnten die Schülerinnen und Schüler auf die Suche nach eigenen Fähigkeiten, Talenten und Lebenszielen gehen. Dazu war es möglich, gemeinsam Sport zu treiben, verschiedene Spiele auszuprobieren oder einfach nur zu ratschen. Gestärkt und mit vielen schönen Erinnerungen kehrte man mit dem begleitenden Schulsozialpädagogen Johannes Christaller sowie den Lehrkräften Brigitta Sammer und Eva Stangl zurück.
Am 09.01.2025 hatten meine Mitschüler und ich im Rahmen des Religions- und Ethikunterrichts der 12. Klasse die Gelegenheit, die Wolfsteiner Werkstätten genauer kennenzulernen. Wir erhielten einen umfassenden Einblick in den Arbeitsalltag der Werkstätten, die Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen eine sinnvolle Tätigkeit bieten.
Während der Führung konnten wir beobachten, wie die Mitarbeitenden in unterschiedlichen Bereichen wie der Schreinerei, der Näherei oder der Serienfertigung arbeiten. Besonders beeindruckend war die Vielfältigkeit der Tätigkeiten und das Engagement der Mitarbeitenden, welche uns zum Teil ihr Arbeitsfeld selbst erklärten. Beliefert werden große Unternehmen wie BMW oder Parat. Die Werkstätten bieten nicht nur Teilhabe am Arbeitsleben, sondern sind zugleich soziales Umfeld, in dem die Arbeitenden Unterstützung und Wertschätzung erfahren.
Das übergeordnete Ziel der Werkstätten ist es, die Menschen mit Behinderung langfristig fit für den allgemeinen Arbeitsmarkt zu machen. Daneben ist aber auch einiges im Bereich Freizeit geboten: es gibt Angebote wie Schwimmen oder Kegeln und auch die Feste des Jahreskreises werden ausgelassenen gefeiert.
Besonders gefallen hat mir, dass die Arbeit nicht Mittel zum Zweck ist, sondern eine Chance zur persönlichen Weiterentwicklung bietet. Es war beeindruckend zu sehen, wie viel Spaß die Mitarbeitenden an ihrer Arbeit haben und wie stolz sie darauf sind. Die Wolfsteiner Werkstätten sind ein gutes Beispiel dafür, wie Inklusion in der Wirtschaft stattfinden kann und wie wichtig es ist, Menschen mit Behinderung Perspektiven und Chancen zu bieten.
Femke Attenbrunner (Q12), 2025
11. Jahrgangsstufe des Freyunger Gymnasiums zu Gast im Salvador Allende Haus
Auch 2024 konnten für die Klassen 11a und 11b wieder die Tage der Orientierung angeboten werden. Von Mittwoch bis Freitag wurden unter der fachkundigen Leitung der Referenten Martin Wagner, Rebekka Seidl, Elias Wandl und Yvonne Lankl verschiedene Aktionen zur Stärkung der Klassengemeinschaft sowie zum Thema „Ich-Identität“ durchgeführt. Dazu gab es noch eine altersgerechte Einheit zu Liebe und Partnerschaft. Die Schülerinnen und Schüler nahmen das ihnen angebotene Programm erfreut an und hatten viel Spaß bei der Umsetzung der gestellten Aufgaben. Am Abend wurde – zusätzlich beleuchtet durch den Supermond - eine Fackelwanderung durchgeführt; Turnhalle und „Kneipe“ boten ebenfalls genug Raum für den Austausch innerhalb und zwischen den Klassen. Auch das traumhafte Herbstwetter und die angenehme Atmosphäre im Feriendorf Finsterau trugen ihren Teil zum Gelingen bei.
Christine Hackl
Eva Stangl
Christina Wimmer
Martin Peter
Carina Rendchen
