Seit vielen Jahren soll der EU-Projekttag im Mai den Jugendlichen den europäischen Gedanken und den Wert der Demokratie näher bringen. Dazu besuchen bundesweit Parlamentarier Schulen. Am Gymnasium Freyung stand heuer unser Wahlkreisabgeordneter im Bundestag Thomas Erndl Rede und Antwort.
Nach ihrer Berlin-Fahrt im April und persönlichen Eindrücken von der Bundeshauptstadt und dem Bundestag bestand für die Zehntklässler nun die Gelegenheit, einem Abgeordneten direkt Fragen zu stellen.
Thomas Erndl stellte sich und seine Arbeit zunächst in Grundzügen vor, bevor er gut 75 Minuten ausführlich auf die Anliegen der Jugendlichen einging.
Dabei ging es einerseits um Europa und die derzeit sehr herausfordernde Außenpolitik, wozu Herr Erndl als bisheriger stellvertretender Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestag höchst kompetent war.
Andererseits wurden auch aktuelle innenpolitische Themen besprochen, etwa die Migrationspolitik, die Regierungsbildung und die Kanzlerwahl im zweiten Anlauf.
Ebenso war ein Gesprächsthema, wie Jugendliche besser in die Politik eingebunden werden können. Insgesamt war es für die Gymnasiasten ein hoch interessanter Einblick in die nationale und internationale Politik.
Aus Anlass des EU-Projekttages erfahren Freyunger Gymnasiasten viel über die Europäische Integration
Wie ist die „Erbfeindschaft“ zwischen Deutschen und Franzosen entstanden? Wie ist sie überwunden worden? Wie profitieren weite Teile des europäischen Kontinents wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich von der Idee eines vereinten Europas? Und welche Herausforderungen gab und gibt es dabei? All diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Vortrages zum diesjährigen EU-Projekttag für die 10. und 11. Klassen des Gymnasiums Freyung.
Auf Vermittlung des Europe Direct Zentrums der Euregio, das Teil eines europaweiten Netzwerkes von rund 500 Europe Direct Stellen der Europäischen Kommission ist, und gefördert von der Bayerischen Staatskanzlei kam der Politologe und Journalist Ingo Espenschied von Dokulive ans Freyunger Gymnasium.
Er hielt einen inhaltlich wie technisch beeindruckenden Vortrag mit dem Titel „70 Jahre Europa – Eine multimediale Zeitreise durch die Geschichte der Europäischen Einigung“. Unter Einbeziehung von Tonaufnahmen und kurzen Videoclips wurden die Inhalte zum Leben erweckt und das Publikum konnte in den historischen Kontext eintauchen.
Espenschied informierte über die Genese der Staaten Frankreich und Deutschland, über ihre wechselvolle und kriegerische Geschichte, die zur „Erbfeindschaft“ führte und legte seinen Schwerpunkt darauf, wie daraus eine dauerhafte Freundschaft beider Staaten wurde und ausgehend vom Schuman-Plan der Grundstein der Zusammenarbeit für ein friedliches Europa gelegt wurde und infolgedessen auch die heutige Europäische Union entstehen konnte.
Er ging auf Höhepunkte in der Geschichte der europäischen Integration ein, nannte aber auch immer wieder auftretende Probleme beim Namen.
Zentrale Errungenschaften waren die Erweiterungsrunden der EU, die Schaffung des gemeinsamen Binnenmarktes und die Einführung einer gemeinsamen Währung. „Die EU ist das Beste, was uns Europäern passieren konnte“, so Ingo Espenschied. Der hohe Wohlstand des Kontinents heute und die friedliche Zusammenarbeit innerhalb der EU war wohl so nach Ende des Zweiten Weltkrieges nicht vorstellbar.
Im Anschluss an die Präsentation beantwortete Espenschied professionell Fragen von engagierten Schülerinnen und Schülern, etwa zu Voraussetzungen eines EU-Beitritts oder auch zum Umgang mit derzeit „schwierigen“ Mitgliedsstaaten wie Polen oder Ungarn.
Am Schluss waren sich alle Beteiligten einig, dass dieser EU-Projekttag eine lohnende Sache war.
Michael Köberl (2023)
